• Yvonne Landmann

Unzufriedenheit auf Augenhöhe begegnen, statt sie zu bekämpfen



Wenn du weg schaust, wird es stärker.



“What you resist, persists.” heißt es umgangssprachlich im Englischen. Wenn du wegschaust, bleibt es dennoch da. Genauso ist es, wenn du z.B. deine Unzufriedenheit bekämpfst: Das ist nur eine andere Form von Ablehnung und Ablenkung.


Und das was da ist, verstärkt sich: Wenn ich meine Unzufriedenheit ignoriert und über sie hinweg gelächelt habe, kam sie immer wieder. Wenn ich es kleingeredet habe, mit Gedanken wie “Anderen geht es schlechter.” oder “Was stelle ich mich schon wieder so an, ich hab doch alles.”, hat das mich nur noch mehr ungesehen fühlen lassen. Wenn ich mich dann für Shopping, ein Glas Wein oder eine andere Art von Ablenkung und dagegen Ankämpfen entschieden habe, war die Ablenkung oft gelungen… ich freute mich über ein neues Teil im Kleiderschrank, der Wein machte alles etwas weicher und kurz war alles wieder gut... UND das Gefühl kam zu enem späteren Zeitpunkt wieder zurück. Stärker und gefühlt noch dumpfer und schwerer.


Dieser Artikel widmet sich einem Ansatz, der es dir ermöglicht, mit dem zu sein was ist: Ohne “es schön zu reden”, “es zu fixen” oder “wegzurennen”. Denn es wird wiederkommen - vermutlich verstärkt. Und mein Wunsch für dich ist, dass es sich okay anfühlt, dass es gerade nicht okay ist.


Denn das ist so viel weniger anstrengend und energiezehrend - und beendet die Spirale der Selbstverstärkung von Unzufriedenheit (und jeder anderen Emotion), die du so gerne nicht haben magst.


Diese Tage, an denen irgendwie alles doof ist und nichts gelingt.


Du bist damit nicht alleine. Wir alle kennen das - und ich bin als Meditationslehrerin und Mentorin davon auch nicht ausgenommen: Alles fühlt sich doof an, du fühlst dich unzufrieden und bist im nächsten Augenblick gefrustet, dass du schon wieder HIER bist, in dieser Situation.


Es scheint unmöglich, dieses Glücksgefühl und die Leichtigkeit zu halten. Es scheint ein ewiges Tun zu sein, damit es dir gut geht. Das Leben macht Spaß, bis es es nicht mehr macht. Und das fühlt sich anstrengend an, denn eigentlich willst du nur eins: Glücklich und zufrieden sein. Wieso ist das so viel Arbeit?


Du bist auch nur ein Mensch.


Unzufriedenheit, schlechte Laune, Gereiztheit, Langeweile, fehlende Motivation, Frust, Wut, Ärger, Traurigkeit, Überforderung… das zu spüren, ist ein Teil von uns im Dasein auf dieser Welt als Mensch.


Und nehmen wir an: Jetzt ist es wieder da, als Unzufriedenheit. Und ich lade dich zu folgendem Gedanken ein:


“Ah, jetzt ist also gerade mal wieder meine Unzufriedenheit der intensiv wahrgenommene Teil von mir.”


Und vielleicht ist das kein typischer Satz für dich. Sieh’ es an dieser Stelle als Einladung und später probierst du es mit deinem eigenen Satz aus. Zu verlieren hast du nichts, es kann nur friedlicher in dir werden.


Die Gesamtperspektive macht den Unterschied.


“Ah, jetzt ist also gerade mal wieder meine Unzufriedenheit der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” nehmen wir jetzt mal Stück für Stück auseinander.


“Ah,..” Du nimmst es wahr. Du schaust es an.


“..., jetzt,...” Es ist wirklich nur jetzt. Und vielleicht bleibt es noch für viele weitere Momente. Aber es war nicht immer da. Und es wird nicht für immer da sein.


“..., … ist…” Es ist, aber es bist nicht du. Das ist ein entscheidender Unterschied. Du nimmst es wahr, also kannst du es differenzieren. Du hast als Mensch die Fähigkeit von Bewusstsein. Und das ist das gleiche wie, dass du wahrnehmen kannst, welche Farbe deine Kleidung, die du jetzt gerade trägst, hat. Es ist - aber es bist nicht du. Die Kleidung kannst du ausziehen und wechseln. Auch Gefühle wechseln.


“... mal wieder...” Es war schon einmal da. Und es ist wieder da. Gut, denn das beweist, dass es nicht permanent da ist - und damit auch nicht permanent bleiben wird.


“...meine Unzufriedenheit...” Unzufriedenheit ist der Kontrast zu Zufriedenheit. Kurzes Gedankenexperiment: “Ist es nicht großartig, dass du jetzt, wo du Unzufriedenheit wahrnimmst, erkennen kannst, wie toll es ist, zufrieden zu sein? Wie kannst du Zufriedenheit wertschätzen und genießen, wenn du nicht weißt, was der Unterschied ist?” :)


“...meine Unzufriedenheit...” Deine Unzufriedenheit zeigt dir, dass es einen anderen Weg für dich geben muss, die Dinge in deinem Leben zu sehen, zu erleben und zu gestalten. Deine Unzufriedenheit ist ein Kompass, der dich lotst. Wohin? Richtung Zufriedenheit. Denn das was gerade ist, scheint nicht “Zufriedenheit” zu sein.


AUSBLICK

Zufriedenheit ist, neurowissenschaftlich bewiesen, ein Grundbaustein von

"glücklich sein". Dazu kommt bald ein eigener Blogbeitrag.


Und da du ja weißt, wie sich Zufriedenheit für dich anfühlt, richtest du dich, im wahrsten Sinne des Wortes, von hier aus, in genau diese Richtung aus.


Jetzt nicht dem blinden Aktionismus (ersten Impuls) verfallen.


Stop! Jetzt bitte nicht losmarschieren Richtung Zufriedenheit. Wir bleiben im Jetzt. Es geht in diesem Artikel nicht ums Fixen oder Verändern, sondern um die Gesamtperspektive. Und da haben wir noch noch drei weitere Aspekte zu Entdecken.


“Ah, jetzt ist also gerade mal wieder meine Unzufriedenheit …” haben wir uns bis hierhin angesehen. Lass’ uns gemeinsam mit dem Rest des Satzes weitermachen:


“... der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” Je stärker, intensiver, der Kontrast, umso leichter wird es dir fallen, dein Gefühl wahrzunehmen. Das Leben gibt uns so viele Möglichkeiten, um unseren Standort zu bestimmen und uns von da aus zu orientieren. Intensiv ist gut, denn es ist deutlich und stark.


Und vermutlich hat es mal ganz klein angefangen, ganz flüchtig - und es blieb unbeachtet. Deswegen wächst dieses Gefühl auch. Wann immer wir es ablehnen und uns abwenden: Es bleibt bestehen. "What you resist, persists." Und es wird stärker, denn es will wahrgenommen werden.


“... der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” Bleibe jetzt bitte wo du gerade bist und so wie du bist. Und dann frage dich:

  • Wo nehme ich dieses Gefühl wahr? Wo spüre ich meine Unzufriedenheit? Im Brustraum? Im Bauchraum? ...

  • Ist es ein dumpfes Gefühl oder leicht? Kalt oder eher warm?

  • Bewegt es sich oder ist es starr? Verändert es sich, wenn ich es etwas länger betrachte?

  • Kannst ich ein Ende wahrnehmen oder einen Bereich wo es nicht ist? Wo hört es auf und wo ist es am intensivsten?

Du machst dich jetzt, in diesem Moment des Bleibens, vertraut mit deinem Gefühl: Es ist dein Kompass und deine Freundin, die eine Nachricht für dich hat. Und diese Nachricht musst du jetzt auch nicht verstehen oder interpretieren: Es reicht, dass du es wahrnimmst. Das reicht absolut.


“... der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” Spürst du den Bodenkontakt? Spürst du die Sitzfläche auf der du gerade sitzt? Hat deine Kleidung die selbe Farbe wie eben? Trägst du den selben Namen?


Ja? Ja! Nur weil du in dieses (vermutlich) unangenehme Gefühl reingehört hast, es deutlicher werden lassen, hast du dich selbst nicht verändert. Und du hast noch immer volle Bodenhaftung mit Unterstützung der Schwerkraft. Kurz: Es tut dir nichts. Es ändert nichts an deiner Existenz.


Deine Erlaubnis zum NICHT OKAY sein


“Ah, jetzt ist also gerade mal wieder meine Unzufriedenheit der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” Punkt. Du brauchst jetzt nichts weiter zu tun. Nichts wird von dir an dieser Stelle verlangt.


Vielleicht bist du wie ich und brauchst manchmal die Erlaubnis, auch einfach mal “nicht okay” sein zu dürfen und genau so okay zu sein. Ich gebe sie dir hiermit:


“Es ist okay, dich nicht zufrieden zu fühlen. Es ist okay, dass du die Welt mal absolut nicht magst - im ganzen oder in Teilen. Es ist okay, dass du diese Gefühle hast.”


Du bist ein Mensch in einer komplexen Welt. Und zu komplex gehört eben auch die Facette von Unzufriedenheit. Warum auch nicht?


Alles ist Teil einer Gesamtperspektive


Ich lade dich ein, dich immer wieder in der Gesamtperspektive zu sehen und sie dir selbst zu erlauben. Du bist nicht immer unzufrieden. Und wenn du es jetzt bist: Es wird auch wieder anders sein. Und für jetzt ist es okay. Absolut okay. Denn es ändert nichts an dir und das du gut bist, wie du bist. Das ist unveränderbar: Du bist gut und genug. Und das Leben wird weiter seinen Lauf nehmen, und so auch deine Gefühle.


Und dieses Wissen ist das, was mich so sehr Befreunden lassen hat mit dem wie ich bin. Und es eben nicht die Ablenkung und Trösten braucht durch Shopping und Alkohol. Und eben auch nicht das Kleinreden oder mir selbst Vorwürfe zu machen. Ich wähle lieber das Befreunden mit dem was ist und lasse mich sein wie ich bin. Für diesen Moment ist das absolut okay.


Und jetzt?


Und jetzt bist du okay, so wie du bist. Und wenn das umarmen magst, dann umarme dich selbst. Und wiederhole für dich den Satz“Ah, jetzt ist also gerade mal wieder meine Unzufriedenheit der intensiv wahrgenommene Teil von mir.” und gehe die einzelnen Schritte des Artikels noch einmal durch.


Alles Liebe, Yvi



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Bildquelle: https://unsplash.com/@kentro


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Deine Yvi